Grüblerischer Waldschratt

Wohlklang mit textlichen Widerhaken: Auf dem Album „He’s Teeth“ fügt der US-Musiker Sam Beam dem Indiefolk von Iron And Wine einige neue Facetten hinzu.

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23. März 2026

Iron And Wine: Hen’s Teeth (Sub Pop)

Sam Beam alias Iron And Wine zählt zu den Pionieren der Indiefolk-Welle und ist damit seit einem Viertel-Jahrhundert sehr erfolgreich. Seine Alben waren ein Garant für schöne und harmonische Klangwelten, die beim Hören fast schon transzendierende Wirkung evozierten. Der Vergleich mit den genreverwandten Künstlern Bon Iver, Devendra Banhart und Will Oldham alias Bonnie „Prince“ Billy brachte ihm manchmal den Vorwurf ein, dass sein anheimelnd-süßlicher Indiefolk-Sound zu affirmativ und beliebig klinge.

Verschiebung der Akzente

Auf seinem neuen Album „Hen’s Teeth“ fügt der in South Carolina aufgewachsene Multi-Instrumentalist dem Indiefolk von Iron And Wine einige überraschende Facetten hinzu. Äußerlich ist Sam Beam zwar der kauzige Waldschratt mit Rauschebart geblieben – künstlerisch setzt er aber auf eine Verschiebung der Akzente. Während musikalisch alles beim Alten bleibt und das Zusammenspiel von stimmungsvollen Akustikgitarren-Arrangements und schönen Harmonie-Gesängen für gediegene Melancholie und perfekten Wohlklang sorgt, konterkarieren die grüblerisch-zweifelnden Texte das Ganze und verleihen den Songs eine spannende und ambivalente Note.

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Auf seinem insgesamt achten und bereits sechsten Album bei Sub Pop setzt der Singer/Songwriter also vermehrt auf den Kontrast zwischen Musik und Text. Während die Klänge Hoffnung, Halt und Glück versprechen, sorgen die Lyrics für Nachdenklichkeit, Zweifel und Ambivalenz. Beispielgebend steht hierfür der Song „In Your Ocean“, in dem die Liebe so beschrieben wird, wie sie sich im Alltag oft darstellt: „First it’s all you want / then all that you can take / never who you’ll be / but when you’re gonna break“. Alles ist fließend, nichts von Dauer – und wenig überraschend taucht das Wasser („oceans, rivers, waves“) in den Songs dieses Albums immer wieder leitmotivisch auf.

Mehrstimmiger Gesang

Sam Beam alias Iron and Wine bei einem Auftritt 2022. (c) Andy Witchger (CC BY 2.0)

Unwiderstehliche Melodiebögen und wohlklingende Harmonien bilden das Fundament für eine exquisite Songkollektion, die nicht nur durch exzellentes Songwriting und kluge Instrumentierung besticht, sondern auch mit wunderbaren Frauenstimmen als Backing-Vocals. Tochter Arden Beam und das Bluegrass-Trio I’m With Her gefallen mit schönem, zum Teil mehrstimmigem Gesang. Am Besten klingt das Ganze, wenn den akustischen Gitarrenklängen ein paar Streicherakzente und ein dezent pulsierendes Schlagzeug hinzugefügt werden.

Anspieltipps: „Wait Up“, „Robin’s Egg”, „Roses” und „Grace Notes”.

Iron And Wine: Hen’s Teeth (Sub Pop)

Sam Beam setzt vermehrt auf den Kontrast zwischen Musik und Text: Während die Klänge Hoffnung, Halt und Glück versprechen, sorgen die Lyrics für Nachdenklichkeit, Zweifel und Ambivalenz.