Alltagsgeschichten mit Hang zum Universellen

Wenn Romantiker, Eklektiker und Soundtüftler zusammen Musik produzieren, entsteht so etwas wie das Album „The Former Site Of“ des kanadischen Indie-Kollektivs The New Pornographers.

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8. April 2026

The New Pornographers: The Former Site Of (Merge Records)

Kanadas Independent-Musikszene hatte schon immer eine Vorliebe für zahlenmäßig große und fluktuierende Band-Formationen. Neben Broken Social Scene und Arcade Fire sind ganz prominent auch The New Pornographers zu nennen. Die gegen Ende der 90er Jahre in Vancouver gegründete „Band“ ist das Paradebeispiel eines funktionierenden Kollektivs, dessen Mitglieder zusammen Musik machen, die eine Lässigkeit besitzt, die so wohl nur im losen Verbund entstehen kann.

„The Former Site Of“ ist das mittlerweile zehnte Album der „Indie-Supergroup“ um Frontman und Hauptsongwriter A.C.Newman – der Bandname The New Pornographers ist eine Referenz an den japanischen Film „The Pornographers“ aus dem Jahr 1966 – und überzeugt einmal mehr mit (s)einem Trademark-Sound, der sich aus einer stimmigen Symbiose aus Pop-Appeal, Indie-Flair, Eklektizismus und Kunst-Attitüde zusammensetzt. Musikalisch bilden weiterhin sehnsüchtiger Indierock, flächiger Synthie-Electronica und empathische Chöre das Fundament für das typische Klangbild zwischen majestätischer Erhabenheit und tänzelnder Lässigkeit.

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A.C.Newman erzählt kleine Alltagsgeschichten: wehmütig, lakonisch, witzig – halt ganz so, wie es die Geschichte gerade braucht –, und er fängt mit nur wenigen Sätzen eine Stimmung oder Situation ein, die oft etwas Universelles beschreibt. Seine Themen sind u.a. verpasste Gelegenheiten, überflutete Orte, technologische Überforderung oder auch die letzten Münztelefone New Yorks. Oder die Wichtigkeit von Mai Tais – der Song „Bonus Mai Tais“ erzählt davon, wie wichtig bei Langstreckenflügen die Versorgung mit Getränken ist.

Maßgeblich unterstützt wird A.C.Newman auf diesem Album wieder von Sängerin Neko Case und Keyboarderin Kathryn Calder, während Dan Bejar von Destroyer dieses Mal fehlt. Wie jedes Album der New Pornographers ist auch „The Former Site Of“ ein musikalisches Füllhorn des gepflegten Indierock – und beantwortet zwei Fragen auf überzeugende Art und Weise: einerseits, ob das Album-Format heute noch zeitgemäß sei, andererseits, ob Indierock tot sei.

Anspieltipps: „Votive“, „Calligraphy“, „Pure Sticker Shock“ und „Ballad Of The Last Payphone”.

The New Pornographers: The Former Site Of (Merge Records)