Ein Bouquet aus Nervigkeiten

Bärchen und Milchbubis, Legenden der NDW, veröffentlichen mit „Lach doch mal“ die zweite Platte nach ihrem Comeback und äußern sich ätzend zu aktuellen sozialen Phänomenen.

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19. Oktober 2026

Bärchen und die Milchbubis: Lach doch mal (Tapete Records)

Die zweite reguläre Platte aus dem zweiten Leben der Band, die in frühen 1980er-Jahren die guten und fragwürdigen Seiten der Neuen Deutschen Welle prototypisch repräsentierte wie wenige andere und mit „Früh kaputt spart Altersheime“ einen der griffigsten Slogan-Songs der Epoche gefertigt hat.

Zum Trio geschrumpft, weil Sängerin und Texterin Annette Simons auch die Gitarre übernommen hat, huldigt die Formation weiterhin der zügigen wie auch von Altersreife durchzogenen Mischung aus Fun-Punk und Power-Pop, die ihre Comeback-LP „Die Rückkehr des Bumm!“ 2024 charakterisiert hat.

Anders als beim Vorgänger verabsäumen es Bärchen und die Milchbubies allerdings diesmal leider, ihrer Musik ein paar Spitzen in Form von Tempo-Variationen oder der einen oder anderen Raffinesse im Song-Aufbau aufzusetzen.

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So plätschert „Lach doch mal“ selbstgenügsam in ziemlich gleichförmigem Tempo auf den paar einschlägigen Akkorden mit nicht übertrieben spannenden Backgroundchören vor sich hin.
Das wird zwar in der zweiten Hälfte des Albums mit ein paar dezenten gitarristischen und energetischen Zuspitzungen ein klein wenig besser, aber Simons´ gerade in ihrer leichten Altersheiserkeit toller Stimme stünde jedenfalls ein variantentenreicheres Klangbild besser an.

Das ist auch insofern sehr schade, weil die Texte nach wie vor toll oder eigentlich besser denn je sind. Das ganze Bouquet aus Nervigkeiten ist hier ausgebreitet: Der Titelsong „Lach doch mal“ bezieht sich auf diese gut gemeinten Appelle, doch einmal ein bisserl fröhlicher dreinzuschauen und löst eine dementsprechend angespeiste Reaktion aus. Social Media und die ihnen verbundene Aufmerksamkeitsökonomie sind natürlich auch ein Thema, ebenso ADHS oder „Superschurken mit Riesengurken“.

Lustig – wenn auch auf etwas abgründige Weise – wird es in „Landstrassenfieber“, wo Simons sich verfahren hat, die Autobahn sucht, und vorne schon das Meer zu sehen ist (und natürlich der Akku des Handys leer ist).

Unmissverständlich Schluss mit lustig ist es dann aber mit dem „Nazi-Onkel“, der von der Nazis nur verarscht worden ist und trotzdem nie von seiner Begeisterung für sie gelassen hat. Das besonders Beklemmende liegt in der Illusion, mit seiner Generation sei auch die Ideologe verschwunden: „Ich dachte mit dir stirbt der letzte Nazi / Doch nun beginnt der Alptraum vielleicht neu“.

Live am 23.2. 2027 im Venster 99