Ohne Rücksicht auf Verluste

Ein großes, opulent orchestriertes Pop-Werk liefert die zunächst als stimmliche Amy-Winehouse-Wiedergängerin verkannte Sängerin und Songschreiberin Zelda Weber mit ihrem zweiten Album „Rose Thorn“.

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27. Jänner 2026

Zelda Weber: Rose Thorne (Monkeymusic)

Es gibt österreichische Musiker/innen, für die ein begrenzter Raum, mag er durch 84.000 Quadratmeter Staatsfläche, sprachlich oder topographisch als Region (DACH, Mitteleuropa, …) definiert sein, von vornherein nicht groß genug ist. Weniger als die Welt tut es da nicht.

OSKA ist so ein Fall, und Zelda Weber ist es auch.

Das Interessante ist, dass sie beide in gleichen Maßen ihr Privileg eines Ausnahmetalents wie auch den harten Weg, den sie gegangen sind, spüren lassen: Singen, spielen, Songs schreiben, Touren, aber auch Socialising, PR-Termine und andere Einsätze, auf die man sich ungefähr so freut wie auf den Zahnarzt.
Erfahrung, die einfließt und Tiefe generieren kann, wenn es daran geht, sich der Welt mitzuteilen.

Zelda Weber, geboren in Köln, aufgewachsen in der Steiermark und nun zu Studien- und Karrierezwecken in Wien ansässig, hat das Handwerk des Musikmachens jedenfalls von früh auf gelernt.
Dass sie allerdings ihren Werdegang als beschwerlich empfunden hätte, darf in Zweifel gezogen werden. Denn immer war die Musik ihr Schutzschild, Fluchtpunkt, Ventil, wenn Dinge nicht so gelaufen sind wie sie hätten sollen. „Ich schreibe über Dinge, die ich eigentlich lieber verstecken würde – genau deshalb schreibe ich sie“, sagt Weber selbst dazu.

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Bereits in jungen Jahren erhielt sie Klavierunterricht; die aufsehenerregende Stimme übte sie durch Mitsingen zu Lieblingsplatten. Als 14jährige hat sie zwei (selbstgebrannte) CDs fabriziert, die sie allerdings nie irgendwelchen Marketingmaßnahmen überantwortet hat – auch nicht, als Zelda Weber schon als das nächste große Ding gehandelt wurde.

So firmiert „Crude“ von 2023 als ihr offizielles LP-Debüt, das nicht zuletzt deshalb weithin gefeiert wurde, weil wir so etwas hierzulande bisher nicht hatten: Klavierbasierten Soul mit kammermusikalischem Einschlag und unglaublich souveränem, gefühlvollem Gesang, der wegen seines kehligen Timbres belästigend stereotyp mit dem von Amy Winehouse verglichen worden ist.

Knochenarbeit

Für „Crude“ gab´s Preise (Hubert v. Goisern Kulturpr.), Airplay in FM4 und sporadisch sogar Einsätze in Ö3 und Jubelarien in den Medien (Ausnahme: dem „Standard“-Rezensenten war die Platte zu retro).
Was folgte, waren – siehe Knochenarbeit – knapp achtzig Konzerte als Headlinerin wie auch als Support für Acts wie Buntspecht, Count Basic und Hubert von Goisern.

Zelda Weber live (© Chris Kölbl)

Von kleinen Clubs bis zu großen Festivals wie dem Donauinselfest hat Weber mit ihrer Live-Band The Rosettes Venues jeder erdenklichen Größe bespielt.

Nun ist Zelda Webers zweites Album „Rose Thorne“ erschienen. Mit ihm hat sich die 24jährige als Sängerin wie auch Songwriterin freigeschwommen.

Weber selbst bezeichnet ihre Musik als „Progressive Soul Pop“. Das sagt einerseits per definitionem ziemlich alles & nichts und andererseits viel über den Zugang der Künstlerin zu ihrem Schaffen: Das Progressive-Element definiert sie in einem Interview mit dem verdienstvollen Musikinformationszentrum Mica sinngemäß als Option, ihr Werk offen zu halten für ausgefallene Einflüsse. Pop als Musik der großen Inszenierung ist die Richtung, in die es sie drängt, und Soul als Musik der großen Gefühle ist die Grundlage, auf der sie basiert.

In diesem Sinn präsentiert sich „Rose Thorne“, von Paul Gallister (Wanda, Ansa Sauermann, Tocotronic, Der Nino aus Wien…, …) aufwändig und wahrhaft ohne Rücksicht auf Verluste produziert, als ein Akt der Entgrenzung. Zuschreibungen wie „Retro-Soul“, mit denen Rezensenten bei „Crude“ noch um sich warfen, sind obsolet geworden.

Zelda Weber in blau (© Markus Morianz)

Das hier ist in jeder Hinsicht großer Orchester- und Drama-Pop, der Phil Spector alle Ehre gemacht hätte; je nach Stimmungsbild euphorisch oder elegisch angelegt, in mehreren Passagen einer Lana Del Rey gesanglich näher als der so oft als Referenz genannten Amy selig.

Das agile wie auch mächtige „Overdrive“, das über unterschiedliche Intensitätsstufen gut in Spannung gehaltene „Whim“ oder das getragene, sentimental-melancholische „Angel“ haben definitiv Klassikerformat. Das von Rap-Passsagen durchzogene „Parade“ ist demgegenüber „experimenteller“ angelegt, scheint einiges offenzulassen – vielleicht auch Platz für Improvisationen bei Live-Auftritten.

Webers Inhalte kommen so gut wie ausschließlich aus der Beziehungskiste, was – speziell bei diesem Typus Musik – völlig in Ordnung ist. Bei „Rose Thorne“ indiziert bereits der LP-Titel den ambivalenten Zugang zum Thema: Schönheit, die nicht ohne Verletzungsgefahr zu haben ist.
Will man so etwas wie einen roten Faden in den Texten finden, so sind wohl in den Begriffen „Kampf“ und „Beziehung“ die faktischen Pole festgelegt – mit Präpositionen plus unbestimmten Artikeln als Verbinder: Kampf um eine Beziehung, Kampf in einer Beziehung. Beziehung als Kampf.

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Ein Bedingungsgeflecht, in und an dem man sich mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit weh tun wird. So wie am Dorn der Rose.

Live-Fahrplan:

10.02. – Radiokulturhaus, Wien (Präsentation)
24.04. – Kulturhof, Linz
03.07. – Streetfood and Sound Festival, Guntramsdorf
09.07. – Theater am Spittelberg, Wien

Zelda Weber: Rose Thorne (Monkeymusic)

Weber selbst bezeichnet ihre Musik als „Progressive Soul Pop“. Das heißt sinngemäß, dass sie ihrer Musik viele Optionen offenhalten will.