Sonnentage mit den „Fannies“
Die schottischen Gitarrenpop-Veteranen Teenage Fanclub sind unverbesserliche Trostspender und Mutmacher: So auch auf Album Nr. 13, „Do Not Dare To Dream“.

Teenage Fanclub: Do Not Dare To Dream (Merge / Cargo)
Seit dem Gründungsjahr 1987 hat sich die Musik der aus einem Vorort von Glasgow stammenden Band Teenage Fanclub nie groß verändert. Es gab keine dramatischen Stilbrüche und keine radikalen Soundwechsel. Smarter Gitarrenpop in der Nachfolge großer Vorbilder wie The Byrds und Big Star, mehrstimmiger Harmoniegesang à la Beach Boys und großartiges Songwriting aus der Beatles-Schule prägten stets ihre Musik.
Das Makellose und Gediegene ihrer Kompositionen und ihr unauffälliges Äußeres ließen sie nie zu hippen Szenestars werden. Die „Fannies“, wie sie in Schottland gerne genannt werden, haben trotzdem großartige Alben geschaffen: Meisterstücke wie „Bandwagonesque“ (1991), „Grand Prix“ (1995) oder „Songs From Northern Britain“ (1997) gehören in jede ernstzunehmende Plattensammlung.
Im neununddreißigsten Jahr ihres Bestehens haben die Gitarrenpop-Veteranen mit „Do Not Dare To Dream“ nun ihr dreizehntes Album veröffentlicht – und bleiben sich darauf, wenig überraschend, musikalisch treu. Geschmeidig-perlende Jangle-Gitarren und mehrstimmiger Harmoniegesang sorgen für eine entspannte Atmosphäre – und sind Balsam für die Seele. „Everything Flows“ hieß einer ihrer frühen Ohrwürmer (auf dem Debütalbum „A Catholic Education“, 1989), der ihre Spielweise gut beschreibt.
Teenager mit sechzig Jahren
Auch die zehn Songs auf dem aktuellen Album fließen angenehm dahin, sind voller Sonnenschein und lebensfroher Melodien. Beispielgebend dafür ist der Song „Day In The Sun“: „I was alone / When I called and you answered the phone / With you I’ll have my day in the sun”.
Den fünf Musikern von Teenage Fanclub – Norman Blake & Raymond Mc Ginley sind die Songschreiber und bilden zusammen mit Schlagzeuger Francis Mac Donald den Kern der Band – ein übersteigertes Harmoniebedürfnis zu unterstellen, wäre indes falsch. Dafür haben die Herren – alle um die sechzig Jahre alt – schon zu viel erlebt und wissen, dass das Leben auch unheilbare Krankheiten, Naturkatastrophen, Kriege, unberechenbare Politiker und beschissene Tage im Angebot hat.
Ärger, Wut, Traurigkeit und Nachdenklichkeit sind ihnen also keineswegs fremd, gewinnen in ihrer Musik aber nie die Oberhand. Stattdessen schreiben sie (weiterhin) Songs, die aufmuntern, trösten und inspirieren, so wie die aktuell besonders gelungenen Beispiele „Tomorrow“, „Over And Over“, „Take Time“ und „There Was You“ zeigen.

Teenage Fanclub: Do Not Dare To Dream (Merge / Cargo)



