Selbstgenügsamkeit in sanfter Schräglage
Auf ihrem vierten Album, „Giant Hat“, gönnt sich die Grazer Indie-Band Tiger Family ein zartes Sound-Update, ohne ihrem Trademark-Sound ganz abzuschwören.

Tiger Family: Giant Hat (Pumpkin Records)
Die Grazer Band Tiger Family wird seit dem Beginn ihres Bestehens als „Geheimtipp“ gehandelt. Patrick Möstl, der unter dem Künstlernamen Ratrock Tot Sint Jans auch als Solokünstler agiert, ist als zwischen Genie und Wahnsinn irrlichternder Singer-Songwriter Mastermind der inzwischen zum Quintett angewachsenen Formation. Von Beginn an stand die Tiger Family für eine gelungene Mischung aus musikalischem Traditionalismus, schrulligem Außenseitertum, freigeistiger Kreativität und einer Slacker-Attitüde am Rande der Selbstgenügsamkeit.
Über das Spiel mit unterschiedlichen Genres – Americana, Bluegrass, Country, Indierock, Weird Folk –, das auf heiter-gelassene Art an vielem anstreift, jedoch nichts kopiert, die verrücktesten Haken schlägt und sich doch immer wieder in bekannte, aber verschroben und gewitzt aufbereitete musikalische Genrekleider hüllt, fanden sie über die Jahre zu einer originären Ästhetik. Nicht selten klingt die Musik der Tiger Family, wie es der Titel eines Albums von Wilco verspricht: „Art Of Almost“. Die unterschiedlichen Genres werden miteinander verknüpft und in eine sanfte Schräglage gedreht. Daraus entsteht eine ganz eigene Anmutung, die sich gängigen Zuschreibungen weitgehend versagt.
Nun hat die Band ein neues Album veröffentlicht – ihr viertes in zehn Jahren. Es heißt „Giant Hat“ und ist bei Pumpkin Records erschienen. Aufgenommen wurde es im Recorder Studio der Austropop-Legenden von Opus und von allen fünf Bandmitgliedern produziert. Patrick Möstl, Paul Pfleger, Klaus Wohlgemuth, David Künstner und (neu hinzugekommen) Benedikt Brands bilden das Quintett, das man durchaus als Grazer „Supergroup“ bezeichnen könnte, findet man die fünf Musiker doch auch in anderen regionalen Formationen wie Spring and the Land, Fragments of an Empire, Paul & Pets und My Friend Peter.
Schrullige Figuren & Grateful Dead-Cover
Erstmals in der zehnjährigen Bandgeschichte treten auf dem neuen Album gleich drei Songschreiber in Erscheinung: Neben den Songs von Patrick Möstl finden sich auch welche von Paul Pfleger („You Got Me“) und Klaus Wohlgemuth („Red Column“). Ergänzt wird das Ganze von zwei Cover-Songs: „Hired Gun“ von Alan Wass und dem neunminütigen Grateful Dead-Epos „Terrapin Station“.

„a-moll nicht A-Dur !!!“: Patrick Möstl bei Aufnahmen zum neuen Album. (© Tiger Family)
Die Vorliebe für selbstironisch-skurrile Cover-Artworks bildet sich dieses Mal in den – von der Grazer Künstlerin Teresa Lichtenegger angefertigten – Knetmasse-Figuren der fünf Bandmitglieder ab, die zusammen mit dem titelgebenden Hut das Albumcover zieren, das stimmig mit der Musik des Albums korrespondiert. Auf dem Fundament eines exquisit gewobenen und tiefenentspannten Sounds, der vermehrt von psychedelischen Klängen und Studio-Spielereien ergänzt wird, frönt die Band nicht nur ihrer Vorliebe für Schrulligkeit und Selbstgenügsamkeit, sondern beweist auch ein Händchen für feine Melodien. Zudem verpasst das Keyboard- und Orgelspiel von Benedikt Brands den gut abgehangenen Songs ein zusätzliches Element, das den Sound lässig abrundet.
Während „Fuzzy Lager“ und „Home Town Roamer“ noch am ehesten dem Trademark-Sound der Band entsprechen, drehen das titelgebende „Giant Hat“, „Pavarotti“ und „Leather Jacket“ nach schleichendem Beginn so richtig auf. „You Got Me“ überrascht mit Beatles- und Beach Boys-Touch und „Terrapin Station“ ist eine beseelte Interpretation des Grateful Dead-Originals. Auch wenn sich die Tiger Family über all die Jahre ihr Understatement erhalten hat und ihre Musik selbst als „Boring Rock“ bezeichnet, wünscht man der Band das längst überfällige Ende ihres Nischendaseins.
Albumpräsentation mit einem Live-Konzert am 14. 2. im Café Kork in Graz.

Tiger Family: Giant Hat (Pumpkin Records)
Nicht selten klingt die Musik der Tiger Family, wie es der Titel eines Albums von Wilco verspricht: „Art Of Almost“.



