Nicht Dark Wave, aber Dark Pop
Etwas verändert, neuerdings auch mit englischsprachigen Texten, präsentiert sich das Wiener Kollektiv Euroteuro auf seiner neuen LP „Magic".

EUROTEURO: Magic (Siluh Records)
Die Band Euroteuro feiert in diesem Jahr ihr zehnjähriges Bestehen. Gravitationszentrum ist Florian Seyser-Trenk aka Peter T., um den herum verschiedene Musiker, mit Katharina Maria Trenk als Fixstern, ihre Bahnen ziehen. Bei ihrem Debüt „Volume I“ etwa waren u.a. Ninjare di Angelo und Wolfgang Möstl (Mile Me Deaf) mit von der Partie.
Was sich eher lose zum Musizieren zusammenfand, hatte mit u.a. Werner Thenmayer (Schlagzeug), Elise Mory (Klavier), Marco Cem Mühlhans (Gitarre), Bernhard Hussek (Gitarre), Martin Zenker (Gitarre), Matthias Frey (Violine), Alexander Kranabetter (Trompete) bei Volume III beinahe schon Bandformat. Gleichwohl bleibt Euroteuro auch auf dem neuen Album „Magic“ ein offenes Kollektiv.
Geändert hat sich indes die Tonalität. Waren die früheren Alben eher Kompilationen aus vorher veröffentlichten Songs, deren Stil mit Dadaismus, Synth Pop und Italo Disco liebäugelte und die sich trauten, auch mal albern zu sein, so ist das neue Album nicht nur konzeptueller angelegt, es stimmt auch ernstere Töne an. Neben den bereits Genannten besteht das weitere Personal aus David Öllerer aka Voodoo Jürgens („Nacht“), der auch schon bei Volume III mitwirkte, Anja Plaschg aka Soap & Skin („Magic“) und Theresa Strohmer, Lena Pöttinger und Victoria Aron von Topsy Turvy („More“) sowie Veronika König aka Farce („Energie“).
Bereits der dem Album den Titel gebende Song „Magic“ präsentiert sich getragen und weist einige Überschneidungen zum Pathos von Get Well Soon auf. In „Connection“, als Kritik sozialer Medien hörbar, heißt es: „This place is a prison on it’s own”.

Euroteuro: Florian Seyser-Trenk aka Peter T., Katharina Maria Trenk (© Angelo Kaiser)
Die Texte sind diesmal auf Deutsch wie auf Englisch. Um die Düsternis bzw. Nachdenklichkeit der neuen Euroteuro zu bezeugen, erinnert „Favourite“ an die poppigen The Cure und thematisiert den Verlust eines geliebten Menschen, ein Thema, das gegen Ende noch einmal wiederkehrt („Forever“). Im Anschluss folgt im Duett mit Trenk eine Liebeserklärung, die vom Gesang her an die Berliner Band Mutter erinnert.
Über aktuelle Trends wird nebenbei gespottet: „Ohne O2 ist es vorbei“ („Pumpe“). Doch im Allgemeinen überwiegen Ängste, der Zerfall der umgebenden Welt und die Suche nach Halt: „Du bist jetzt hier bei mir/Nimm mich in den Arm“ („Federn“).
„Magic“ dreht sich um Tod und Trauer, die Bewältigung von Vergänglichkeit und nicht zuletzt um Liebe. Das neue Album versprüht einen 1980er-Charme, der vielleicht nicht unbedingt Dark Wave zu nennen wäre, aber Dark Pop ist es allemal.

EUROTEURO: Magic (Siluh Records)



