Der Kauz und das Krümelmonster
Mark Oliver Everett und seine Band Eels pendeln auch auf ihrem sechzehnten Studioalbum, „Cookie Happened“, zwischen Verschrobenheit und Eingängigkeit.

Eels: Cookie Happened (E Works / Pias)
Seine Karriere begann der 1963 in Virginia geborene Mark Oliver Everett Anfang der 1990er Jahre. Unter dem Pseudonym „E“ veröffentlichte er zwei Alben: „A Man Called E“ (1992) und „Broken Toy Stop“ (1993). Nach dem Verlust seines Plattenvertrags bei Polydor gründete er die Band Eels, die schon mit ihrem Debütalbum „Beautiful Freaks“ (1996) einen ganz speziellen Ton in die zum Teil streng formalisierte Alternative Music-Szene brachte.
Everetts verschroben-eingängige, aber stets bezwingenden Versuche, die Ausdrucksmöglichkeiten alternativer Pop- und Rockmusik zwischen zartbitterer Melancholie, stiller Verzweiflung, unverstelltem Zynismus, melodischem Pop und doppelbödig-sarkastischem Songwriting zu erforschen, verschaffte ihm eine loyale Fangemeinde und machte ihn rasch zu einer fixen Größe in besagter Szene.
Mark Oliver Everett ist in gewisser Weise selbst einer dieser „Beautiful Freaks“, die er auf dem Eels-Debüt besingt. Mit „Electro Shock Blues“ (1998), „Daisies Of The Galaxy“ (2000) und „Souljacker“ (2001) entstanden in den folgenden Jahren stilsichere Alben, die bis heute nichts von ihrer Qualität und Relevanz eingebüßt haben. Auch wenn in der langen Karriere des kauzigen Musikers bei der einen oder anderen Veröffentlichung die Routine überwiegt – ein wirklich schlechtes Album findet sich in seinem gesamten Werkkatalog nicht.
Songs als Therapie und Ventil
Everetts Musik war angesichts seiner problembehafteten Biografie immer zugleich Therapie; seine Songs dienten ihm als Ventil und Ausweg für ein herausforderndes Leben. Die eigenen Depressionen, verstorbene Angehörige (darunter mit seinem Vater Hugh Everett III ein Genie der Quantenphysik), der Selbstmord seiner Schwester und eine zeitweilige Drogenabhängigkeit sorgten nicht nur für tief verinnerlichte Existenz-Ängste, sondern bilden bis heute die Grundlage für Everetts unverwechselbare Songtexte. Eine gelungene Mischung aus Indie-Rock, Chamber-Pop und Blues-Rock bildet das Fundament für seine sonor-brüchige Stimme, die den persönlichen Songs einen ganz speziellen Charakter verleiht.
Auf dem neuen, mittlerweile sechzehnten Eels-Album, „Cookie Happened“, zieht Mark Oliver Everett demütig und selbstironisch Bilanz, verpackt innere Abgründe, lakonische Verlierergeschichten und verschrobene Lebensweisheiten in eingängige Pop-und Rocksongs. Der Albumtitel bezieht sich auf ein Zitat des Krümelmonsters aus der TV-Kinderserie „Sesamstraße“: „Me no cry because cookie is finished. Me smile because cookie happened.“
Alles wird vergehen und vergessen, aber die guten Momente haben dennoch stattgefunden, meint auch Everett und manifestiert in Text und Musik die Einsicht, dass das Leben trotz Sorgen, Verlusten und Enttäuschungen weitergeht und man einfach das Beste daraus machen sollte. Neben den für den typischen Eels-Sound üblichen Jangle-Gitarren setzt „E“ diesmal zum Teil auf orchestrale Passagen – und meint dazu: „So ist das Leben. Manchmal groß und beschwingt, manchmal einfach und karg.“
„Cookie Happened“ ist eine Kollektion von zwölf großartigen Songs, die alle vertraut klingen und doch genug Ecken und Kanten besitzen, um unverwechselbar zu sein. In „Cap In Hand“ zieht Everett sarkastisch Bilanz („a broken man who’s picking up the pieces”), „All Forgotten” thematisiert die Vergänglichkeit auf humorvolle Weise mit Streicherklängen, „Congratulations To Me“ erzählt von Beharrungsvermögen und Lebensfreude, und dass auch im größten Zyniker Momente der Versöhnlichkeit schlummern, beweist Everett mit betörenden Songjuwelen wie „The Way I Was Made“ (über Selbstakzeptanz) und „I’m On Standby“ (einer Ode an die Freundschaft).

Eels: Cookie Happened (E Works / Pias)
Auf „Cookie Happened“ zieht Mark Oliver Everett demütig und selbstironisch Bilanz, verpackt innere Abgründe, lakonische Verlierergeschichten und verschrobene Lebensweisheiten in eingängige Pop-und Rocksongs.



