Offene Landschaften und die Romantik von Straßenkreuzungen

Kevin Morby und M.C. Taylor machen sich auf ihren aktuellen Alben Gedanken über das ihnen fremd gewordene Amerika unter Trump – mit Spielfreude, Melodienreichtum und einer Vielzahl beeindruckender Songs.

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28. Mai 2026

Kevin Morby (© Dead Oceans)

Kevin Morby und M.C. Taylor (der seit 2007 unter dem Bandnamen Hiss Golden Messenger veröffentlicht) stammen beide aus den USA. Die Musik der beiden Singer/Songwriter kommt einem gleich beim ersten Hören bekannt vor, ist aber trotzdem schwer einzuordnen. Traditioneller Folkrock und Elemente aus dem American Songbook bilden das Fundament ihrer Musik. Das Ganze wird ergänzt von einer klassischen Americana-Instrumentierung, mit (Akustik-)Gitarren, Banjo, Orgel, E-Piano, Schlagzeug, Mundharmonika und dezenten Bläsereinsätzen. Die zwei Musiker haben überdies ein spezielles Händchen für eingängige Melodien und erhabene Harmonien.

Eben erst sind ihre aktuellen Produktionen, „Little Wide Open“ und „I’m People“, erschienen. Beide Alben betören mit einer ausgeruhten Mischung aus Alternative Country, Folkrock und ein wenig Gospel & Soul. Beim Hören sieht man geradezu die endlosen Highways in weitläufigen Landschaften, spürt sowohl die Sehnsucht nach Freiheit, wie auch das Gefühl von Heimweh. Morby und M.C. Taylor sind nicht nur große Geschichtenerzähler, sondern auch kritische Geister. Ihre Kunst ist aber weit weg von Agitation, eher eine unaufgeregte Erinnerung daran, den widerständig-kritischen Geist und eine konsequente Haltung nicht zu vernachlässigen.

Blick auf ein mythologisches Amerika

Kevin Morby hat sich über die Jahre mit seinem unaufdringlichen und zugleich kohärenten Songwriting einen Namen gemacht. Seine Musik klingt trotz aller Einfachheit immer auch dringlich, empathisch und ergreifend. Es sind die Menschen abseits der großen Metropolen, denen er seine Geschichten widmet. Auch sein mittlerweile achtes Album, „Little Wide Open“, lebt von bezaubernden Gesangsharmonien und prachtvollen, nicht selten ins opulente Cinemascope-Format ausgreifenden Americana-Klängen.

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Als Produzenten konnte Morby den vielbeschäftigten Aaron Dessner (The National) gewinnen, dessen Händchen für Pop-Appeal und die Vielzahl an prominenten Gastmusikern (u.a. Lucinda Williams, Justin Vernon, Katie Gavin, Amelia Meath) für ein Klangbild sorgen, das zwischen majestätischer Erhabenheit und detailverliebtem Americana-Feeling pendelt. Der Albumtitel bezieht sich auf den Mittleren Westen Amerikas – die weite und offene Landschaft, die Liebe zur Natur und die dort lebenden Menschen – und ist eine tiefe Verbeugung vor dem Heartland-Rock Tom Pettys.
Kevin Morby selbst nennt Jason Molina, Will Oldham, Jeff Tweedy und Tom Petty als musikalische Einflüsse – und sein Plattenlabel zitiert ihn in Bezug auf dieses Album so: „Die Songs spielen vor einem Panorama aus verschlungenen Highways, Kleinstädten, Straßenkreuzungen, Rock’n’Roll-Romantik, Schmetterlingen im Bauch, Sonnenuntergängen, dem Leben als amerikanischer Singer/Songwriter, Econoline-Vans und vielem mehr.“

Kevin Morby: Little Wide Open (Dead Oceans)

Die dreizehn Songs sind stark von einem romantisierenden Blick auf ein mythologisches Amerika und die Idee eines amerikanischen Ideals geprägt, ohne darauf zu verzichten, auch Trumps Amerika der Superreichen und Autokraten ins Bild zu nehmen. Morby gibt den Songs eine unverwechselbare Textur und evoziert eine ambivalente Stimmung zwischen Freiheit und Verlorenheit, Hoffnung und Resignation, Loslassen und Ankommen. 
„Little Wide Open“ ist ein Album von fast einer Stunde Spiellänge – und keine Minute davon erweist sich als überflüssig. Neben dem treibenden Folkrock-Song „Javelin“, dem verhalten beginnenden und mit mächtigen Drums endenden „Badlands“, dem stoisch-dringlichen und von der akzentuierten Stimme von Lucinda Williams geprägten „Natural Disaster“ ist es vor allem das überaus eingängige „100.000“, das mit seinem sich kontinuierlich auftürmenden Gitarren-Crescendo aus diesem Klasse-Album noch herausragt.

Musikalische Appelle an den Gemeinschaftssinn

M.C. Taylor liefert mit seiner Band Hiss Golden Messenger seit 2007 grandiose Folkrock-Alben ab, ohne dafür hierzulande viel Aufmerksamkeit zu erhalten. Dabei ist seine Musik eine gediegen-zeitlose Mixtur aus Folk, Country, Americana, Westcoast- und Soulklängen, hat Groove und ist zugleich überaus gefühlvoll.

Hiss Golden Messenger: I´m People (Chrysalis)

Auf seinem aktuellen Album „I’m People“ versucht Taylor seine Gedanken, Sorgen und Hoffnungen angesichts der ihm fremd gewordenen Heimat Amerika in Songs zu gießen. 
„Die Songs auf dem Album handeln davon, auf Dinge zuzustreben oder vor ihnen zu fliehen, von vernünftigen und realistischen Hoffnungen und Erwartungen, davon, Kinder zu bekommen, älter zu werden, von Liebe und Lust, Glück und Musik. Es sind Songs über Einsamkeit und Liebeskummer und geistige Armut – und vor allem auch über Gemeinschaft als eine Art Gegenmittel für diese besonderen Arten von Leiden“, schreibt Taylor auf seiner Webseite.
Prominente Gastmusiker wie Sam Beam, Bruce Hornsby und die Goldsmith-Brüder von den Dawes unterstützen ihn dabei und der Sound orientiert sich an musikalischen Größen wie Van Morrison, Jackson Browne, Lambchop und den Jayhawks. Anspieltipps: „Shaky Eyes“, „Mercy Avenue“, „Heavy World“ und „In the Middle Of It”.

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Kevin Morby ist in diesem Sommer zwei Mal live in Österreich zu erleben:
Am 16.07. beim Poolbar Festival in Feldkirch
Am 17.07. in der Simm City in Wien

Kevin Morby (© Dead Oceans)

Beim Hören sieht man geradezu die endlosen Highways in weitläufigen Landschaften, spürt sowohl die Sehnsucht nach Freiheit, wie auch das Gefühl von Heimweh.