Wilde Tänze auf klassischem Fundament

„Eyes Full“, das Songwriting-Debüt der Saxofonistin und Sängerin Zoh Amba, erzählt auf wundersam expressive Weise Geschichten aus der amerikanischen Provinz.

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4. Juli 2026

Zoh Amba: Eyes Full (Matador / Beggars)

Zu Beginn etwas sehr Erfreuliches: Abseits gut designter, oft spärlich bekleideter und auf TikTok, Instagram und sonstigen sozialen Medien dauerpräsenten weiblichen Rock- und Popacts gibt es auch noch ernsthafte Alternativen – etwa so jemanden wie Zoh Amba. Die 26-jährige, in der tiefsten amerikanischen Provinz aufgewachsene Musikerin gehört zur langsam aussterbenden Spezies von Rockfrauen, die über das richtige Leben singen – zu richtiger Musik.

Nach ihrer Kindheit und Jugend im Bible Belt zog sie im Alter von 17 Jahren zunächst nach San Francisco und danach weiter nach New York, wo sie bald als Wunderkind der New Yorker Free-Jazz-Szene gehandelt wurde. John Zorn hatte ihr Debütalbum „O Sun“ produziert. Weitere Alben und viele spektakuläre Live-Auftritte folgten. Ambas vogelwild-expressives Saxofon-Spiel wurde zu ihrer unverkennbaren musikalischen Trademark.

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Umso überraschender erfolgte ihre wundersame Verwandlung von einer Jazz-Saxofonistin zu einer mit Akustik- und E-Gitarre spielenden Singer/Songwriterin, deren Debüt selbstreferenzielle und selbsttherapeutische Züge trägt und sich dabei schonungslos offen präsentiert. Unterstützt haben sie dabei der Schlagzeuger Jim White (von der Zusammenarbeit mit PJ Harvey, Bill Callahan und Cat Power bekannt) und der Gitarrist Kevin Hyland.

Ungezähmt-quäkender Gesang

Die dreizehn Songs auf „Eyes Full“ erzählen Geschichten aus der amerikanischen Provinz, wo Arbeitslosigkeit und fehlende Gesundheitsversorgung ebenso Alltag sind wie Bibelgläubigkeit und konservative Grundhaltungen. Zoh Ambas Blick darauf erfolgt aber mit viel Empathie, Freundlichkeit und Zuneigung. Gerade diese Menschen verdienen es, dass man sie wahrnimmt und von ihnen erzählt, meint die frischgebackene Songwriterin – und betont, dass sie gelernt habe, die Dinge das sein zu lassen, was sie eben nun einmal sind.

Musikalisch gelingt ihr das mit einer Mischung aus Folk, Rock, Blues und Noise-Pop, der einmal einnehmend und melodisch klingt, dann wieder roh, expressiv und wild. Gitarre, Bass und Schlagzeug bilden das klassische Sound-Fundament, dazu gesellt sich – mit zum Teil sich überschlagender Stimme – der ungezähmt-quäkende Gesang von Zoh Amba. Sie vollführt mit ihren Songs einen oft wilden Ausdruckstanz, streitet mit ihnen, schubst sie weg, fängt sie auf, umklammert sie – und manchmal nimmt sie sie an der Hand, und alles ist gut.

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Die dreizehn Songs auf „Eyes Full“ gehören zum Wundersamsten, Unmittelbarsten und zugleich Verletzlichsten, was derzeit zu hören ist. Anspieltipps: Das titelgebende „Eyes Full“, „Dead End Street“, „Southern Soil”, das sich wie nebenbei mit der Opioidkrise in den USA beschäftigt, und „OCD“ über einen Jungen mit Zwangsstörungen.

Zoh Amba: Eyes Full (Matador / Beggars)

Zoh Amba vollführt mit ihren Songs einen oft wilden Ausdruckstanz, streitet mit ihnen, schubst sie weg, fängt sie auf, umklammert sie – und manchmal nimmt sie sie an der Hand, und alles ist gut.