Sommer in Endlosschleife

Mit dem neuen Album „Sunshine“ und ihrem verführerischen Belangslos-Pop verlängert das englische Trio Jungle die warme Jahreszeit bis in den November, wenn es am 13.11. in Wien auftritt.

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24. August 2026

Jungle: Sunshine (Caiola Records / AWAL)

Also Sunshine hatten wir in diesem Sommer wirklich genug – da braucht es nicht unbedingt noch einen musikalischen Nachschlag, quasi eine akustische Bestrahlung. Aber gut, nach ein paar Regentagen wird man eh schon wieder bedürftiger – obendrein meinen es jene, die uns diese Extraportion verpassen, gar nicht in erster Linie meteorologisch, was sie da buchstäblich ausstrahlen.
„Sunshine“ ist – als Motto, Albumtitel & auch Titelsong – für die Mitglieder der englischen Band Jungle weniger ein Verweis auf Sommer oder Wetter, sondern mehr ein Gefühl, ein innerer Ort, den man sich vorstellt, wenn man nach vorne blickt. „It’s a place you carry around in your mind. Somewhere you imagine when you’re looking towards better days. It represents light, vibration and energy. It doesn’t tell you how to feel, it simply exists“, wird das Trio via Pressetext zitiert. Und diesem Projekt kann man sich – Hitze hin oder her – schon eher ganzjährig öffnen.

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Jungle – auch auf diesen Namen braucht man nicht viel geben, denn geordneter, transparenter & gesitteter als bei dieser Formation geht es kaum wo zu – stammen aus London und wurden 2013 von Tom McFarland und J Lloyd gegründet, bevor sie 2024 ihre langjährige Kollaborateurin & Sängerin Lydia Kitto als offizielles Mitglied in ihren Dschungelverbund aufnahmen – wohl so eine Art Gentleman-Agreement: Sei in unserer Mitte bitte die Dritte.

Electroswing mit euphorischen Jauchzern

Der Start mit dem Debütalbum „Jungle“ verlief 2014 verheißungsvoll: Die zwar wenig originelle – und noch weniger: originale – Mischung aus allerlei Samples, zu einem eingängigen, in verhaltenen Tempi abgespulten Soul/Disco/Easy-Listening-Sound zusammengemixt, erreichte sogleich die britischen Top-10-Charts. Die LPs „For Ever“ (2018) sowie „Loving In Stereo“ setzten sowohl Programmatik als auch den mittleren Erfolgslauf fort, bevor Jungle 2023 mit „Volcano“ förmlich explodierten und als globale Größe weltweit einschlugen.
Das Album erreichte internationale Charts-Topplätze und enthielt mit „Back On 74“ ihren bisher größten Hit, der sowohl im Vereinigten Königreich als auch in den USA mit Platin ausgezeichnet wurde. Und es gibt wohl kaum jemanden, der diesem höchst verführerischen Electroswing mit seinen euphorischen Jauchzern nicht auf den Leim gegangen wäre – und den Song möglicherweise bis heute nicht aus Kopf & Ohren bekommt.

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Und nun also „Sunshine“ (die Covers der Alben unterscheiden sich übrigens nur in der Farbe: Nach Schwarz, Gelb, Beige & Orange dominiert nun ein sattes Braun als kolorierter Grundton – mit dem in Versalien gehaltenen Bandnamen als Schriftzug in der Mitte. Mehr USP geht grafisch kaum – freilich höchst geschickt & elegant).

Mehr French- als Britpop

Diesmal – und das ist neu (neben der bisher nur als Gast auftretenden Lydia Kitto, die nun durchgängig die Leadvocals übernimmt) – sampeln Jungle keine fremden Sounds, sondern einfach sich selbst! McFarland, J Lloyd & Kitto haben ihre eigene Stimmen, Gitarren, Demos und organische Aufnahmen aus bisherigem Material herausgefiltert, in Einzelpartikel, quasi klangliche Monaden zerlegt, diese dann wiederum verfremdet und neu zusammengesetzt.

Sei in unserer Mitte bitte die Dritte: Lydia Kitto wurde 2024 von Tom McFarland (r.) und J Lloyd als fixes Jungle-Mitglied aufgenommen. (c) Mason Rose

Aber interessant: Das alles klingt so gar nicht neu, sondern wie eh schon immer – und das ist ja auch nicht weiter verwunderlich, denn bei derlei – auch technischer – Eigenparodie kommt natürlich 100 Prozent Jungle heraus. Allerdings klingt das alles nicht nur extrem vertraut – sondern auch ein bisschen arg fad. Der Spannungsgrad war – wie gesagt – schon bisher nicht das vordringlichste Merkmal dieser federleicht dahinmäandernden Musikcollagen, die eher nach French- denn nach Britpop klingen. (Air waren, zumindest in den letzten Jahren, auch nicht viel origineller.) Jetzt hat der Sound zwar noch mehr Hall und bisweilen schmachtende Atmosphäre, aber so gar keinen Pep mehr, hüpft in mittleren Tempi von einem musikalischen Allgemeinplatz zum nächsten.
Ein wenig Abwechslung bringt – auf Track Nr. 5 („Romeo II“) – allenfalls Rapper Bas in die austarierte Klangschale, wenn er – als Kontrast zu einer nervigen Mickymaus-Stimme – (s)einen schleppenden, monoton-männlichen Sprechgesang beisteuert.

Live ein multimediales Projekt

Hängen bleibt von den elf Stücken eigentlich nur eines, das – wie ein Aufforderungs-Mantra – „Carry On“ heißt. Der Song hat was von „Back On 74“ – und schleicht sich ebenso hinterfotzig wie nachhaltig in die Gehörgänge, wo er in Endlosschleife (weiter)läuft, carry on carry on carry on
An einer Stelle geben sich die Drei, was ihre beschränkten Künste als Reimschmiede anbelangt (denn auch da sampeln sie ausschließlich Phrasen), erstaunlich offen & ehrlich, wenn es heißt:
„I’m no good with words at all“ – o yes, indeed!
Trotzdem wird weiter word-gesimpelt (sic!): „I don’t wanna talk about/ all the things you’ve said and done/ All you do is break my heart / are you ever coming home?“ Und so weiter & so fort: carry on carry on …

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Wer Jungle freilich einmal live gesehen & gehört hat, etwa vor zwei Jahren bei einem Openair in der Wiener Metastadt, der weiß, dass das Ganze als multimediales Projekt schon verdammt gut funktioniert – und der mit gefälligen Videos visualisierte Belanglos-Pop zu einem sinnlich erweiterten Erlebnis wird oder zumindest werden kann, wenn man dafür offen ist. Mitte November besteht für derlei Erfahrung wieder eine Möglichkeit, wenn das Trio am 13. 11. in der Wiener Stadthalle auftritt (sicher mit allerlei Gästen). Bis dahin könnte der Bedarf an Sunshine schon wieder sehr hoch sein – und man eine intensive Dosis an akustisch-visuellem Vitamin D durchaus herbeisehnen.

Jungle: Sunshine (Caiola Records / AWAL)

Diesmal sampeln Jungle keine fremden Sounds, sondern einfach sich selbst! Und klingen dabei, wenig überraschend, wie eh schon immer.