Vom sprunghaften „Loser“ zum zeitlosen Melancholiker
Beck überzeugt auf seinem fünfzehnten Album „Ride Lonesome“ mit einem Dutzend mit großer Emphase interpretierten Trennungssongs.

Beck: Ride Lonesome (Capitol / Universal)
Geboren wurde Beck Hansen als Bek David Campbell 1970 in Los Angeles. Seinen großen Durchbruch als Popstar hatte er 1993 mit dem Song „Loser“, der mit Slide-Gitarre, Hip-Hop-Beat und ironisch-lakonischem Text – „I´m a loser baby, so why don ´t you kill me?“ – perfekt in die Alternative-Szene der Zeit passte.
Er blieb aber kein sogenanntes One-Hit-Wonder, sondern entwickelte sich über Jahrzehnte zum wandlungsfähigen Künstler, der selbstironisch mit seinem Image spielte und seiner Musik auf jeder Veröffentlichung eine neue Richtung gab. Seine musikalische Vielfalt ist bemerkenswert. Ob ausgefallen-ambitionierte Pop-Experimente oder fast klassische, zeitlose Singer/Songwriter-Popkunst – Beck Hansen kann alles.
Melancholische Meditationen im Cinemascope-Format
Sein soeben erschienenes mittlerweile fünfzehntes Album „Ride Lonesome“ ist wieder zeitlose Popkunst und knüpft an die Alben „Sea Change“ (2002) und „Morning Phase“ (2014) an. Melancholische Meditationen im Cinemascope-Format: Americana-Gitarren, adäquate Piano-Klänge, ausgeklügelte Orchester-Arrangements und Becks Gesang, der es versteht Gefühle und Stimmungen perfekt zum Leben zu erwecken. Er selbst definiert es so: „Ich strebte nach allgemeingültiger Einfachheit, die man nicht erst mühsam entschlüsseln muss. Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung.“

Beck beherrscht ungefähr alle Stile und stellt das auch beileibe nicht ungern zur Schau. Doch regelmäßig zieht es ihn zurück zum klassischen Singer/Songwritertum (© Mikei Karl)
Produziert von Nigel Godrich und ihm selbst, setzt Beck auf ein fast klassisches Setting – einem perfekten Zusammenspiel aus Akustikklängen, orchestralen Arrangements (die von Becks Vater David Campbell stammen) und organisch-warmen Harmonien und Gesangsmelodien, die für einen Sound von fast majestätischer Erhabenheit sorgen.
Beck Hansen ist keiner, der die eigene Melancholie als Fluch empfindet und so durchzieht ein melancholisches Grundrauschen das ganze Album. „Ride Lonesome“ erzählt von Trennung und Verlust, über die zerbrochene Beziehung mit Marissa Ribisi und dem Leben danach.
Beck tut das mit feinnervigen Liedern, die mit stilvollem Sentiment eine sehnsuchtsvolle Stimmung evozieren, die den Hörer in ihren besten Momenten direkt ins Herz treffen. Bei aller Melancholie sind diese zwölf Songs letztlich doch wunderschöne, alles andere überstrahlende Popoden an das Glück des Daseins.
Das Scheitern von Beziehungen wird durch das Vergehen der Zeit aufgefangen. „Ride Lonesome“ ist ein essentielles Album für alle, die jemals von der Liebe träumten, verliebt waren oder verlassen wurden.
Mit zwölf Songs hat das Album dann aber doch seine Längen und Beck kann nicht durchgehend die hohe Qualität halten – sonst wäre es ein zeitloses Meisterwerk geworden. So ist es noch immer ein sehr gutes Album.
Anspieltipps: „Beyond The Light“, „Disappearing Act“, „Falling Through My Hands“, „If You Don´t Know What Love Is” und das titelgebende „Ride Lonesome”.

Beck: Ride Lonesome (Capitol / Universal)
„Einfachheit ist die höchste Stufe der Vollendung.“ Sagt Beck.



