Gegen den Strich gebürstet
Das Debütalbum der britischen All Female-Band Grandmas House bewegt sich zwischen feministischen Wutausbrüchen und melancholischen Liebesliedern.

Grandmas House: Baby You’re A Winner (Brace Yourself Records)
Man kann auch im Jahr 2026 noch über ein Alternative-Rock-Album ins Schwärmen geraten. Das aus Bristol stammende Frauenquartett Grandmas House überzeugt auf seinem Debütalbum „Baby You’re A Winner“ mit einer gelungenen Mischung aus Aggression und Riot Grrrls-Charme, Energie und Melodiegefühl, Lautstärke und Pop-Appeal.
Produzent Ali Chant (PJ Harvey, Perfume Genius) bürstet den zwischen Grunge, Indie- und Heavy-Rock oszillierenden Sound konsequent gegen den Strich und schafft so das Kunststück, aus Altbekanntem ein abwechslungsreiches Album zu destillieren, das in jeder Lautstärke gleichermaßen überzeugend klingt: ob es einmal ordentlich rumpelt und poltert oder dann wieder mit Pop-Appeal auf Folk-Basis dezent-melancholisch tönt.
Unverwechselbare Reibeisenstimme
Verzerrte Gitarren, tolle Refrains und eingängige Chöre bilden das Fundament für die unverwechselbare Reibeisenstimme von Sängerin/Gitarristin Yasmin Berndts. Thematisch reicht der Bogen von Beziehungsenden aus feministischer Perspektive über Frustration & Isolation durch die Digitalisierung des Alltags bis zu wütenden Anklagen gegen die Herabwürdigung von Frauen in der Musikindustrie („Next Big Hit (Choo Choo)“).
Anspieltipps: Die an das Frühwerk von PJ Harvey erinnernden Songs „Blue Oblivion“ und „The Table“, die energiegeladene Alternative Rock-Hymne „Dog“, das mitreißende „Dance“ und die ruhigen, mit Folk-Duktus und Pop-Appeal ausgestatteten Songs „Spring“ und „Soaked“.
Live in Wien am 20. Oktober im B72.

Grandmas House: Baby You’re A Winner (Brace Yourself Records)



