Träumen über die Schlechtigkeit der Welt

Die Platte, auf die die Welt nicht gewartet hat und die man nicht mehr missen möchte: Das australische Trio Pain Gain zelebriert auf seinem titellosen LP-Debüt minimalistischen Dream-Pop.

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16. Juli 2026

Pain Gain: Pain Gain (Play It Again Sam/PIAS)

Die Plattenfirma versucht, uns dieses Trio als „Supergroup“ zu verklickern – bloß, außerhalb Australiens, wo sie herkommen, kennt kaum jemand die Akteure*.

Sängerin Chloe Kaul betrieb das Electro-Pop-Duo Kllo, das ursprünglich den schönen Namen Klo trug; Hamish Lefevre und Samuel Cooke haben sich mit ihren Projekten Swim bzw. CRUSH3d immerhin in der australischen Dance-Szene einen Namen gemacht.

Für ihr Band-Vehikel Pain Gain haben die drei indes elektronische Gerätschaft gegen analoges Instrumentarium – Gitarren, Klavier, alte Synthesizer – getauscht und das Tempo gedrosselt, um die mutmaßlich schönste Dream-Pop-Platte dieses Sommers zu machen.

Natürlich ist das unbetitelte Debüt-Album weit davon entfernt, um die „Platte des Jahres“ oder allsowas mitzueifern, aber es ist die beste Platte, um bei hohen Außentemperaturen einen Drink zu nehmen, die Füße hochzulagern und sich über die Schlechtigkeit der Welt oder wenigstens die Hitze wegzuträumen.

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10 wunderhübsch melodiesatte Songs schleichen und kriechen wie Schnecken im Garten auf niedrigster Tempostufe herum und krallen sich dabei heimtückisch an den Rezeptoren fest. Auf dass man die Platte, auf die die Welt nicht gewartet hat, nicht mehr missen möchte.

Zudem ist diese Musik nicht ohne Dynamik, wie sich gleich im einleitenden „Only Nothing“ zeigt: Wo zunächst als Begleitung für Kauls zarten Stimmhauch, der so gut wie nie aus seiner weggetretenen Lethargie erwacht, nur eine akustische Gitarre träge vor sich hin schrammelt, machen unvermittelt Drums und eine E-Gitarre Druck. An anderen Stellen greifen Synthies dem Klangbild unter die Arme.

Minimalismus – mit möglichst wenigen Mitteln etwas zu schaffen -, scheint oberstes Prinzip bei der Produktion dieser Platte gewesen zu sein. Das gilt auch für die Texte, die an keiner Stelle Gefahr laufen, als lyrische Meisterwerke verkannt zu werden.

Pain Gain: Hamish Lefevre, Samuel Cooke, Chloe Kaul (© James J. Robinson)

Nehmen wir nur etwa das bereits zitierte „It´s Only Nothing“, das sich um die Neigung des Menschen, aus einer Maus einen Elefanten zu machen, dreht: Mit dem Titel – „Es ist ja nur nichts“ – ist bereits alles gesagt; der Rest ist pure Repetition (und fährt, damit wir uns nicht falsch verstehen, gut mit dieser).
Im Übrigen haben viele Inhalte mit den verfänglichen Verlockungen des Ruhms und fragwürdigen oder glattweg falschen Lebensentscheidungen zu tun und verströmen dabei durchaus altvaterische Bedenk-o-Mensch-Besorgnis.
Und man versinkt wie in Watte darin. So gut ist es uns, um einem verdienten Kollegen** zu zitierten, schon lange nicht mehr schlecht gegangen.

*Weibliche Form mitgemeint
** Christian Schachinger

Pain Gain: Pain Gain (Play It Again Sam/PIAS)