Hymnisch & himmlisch

Sonnige Musik aus den Tagen der Prä-Beatles-Ära, kontrastiert von ernsten Inhalten: Auch das zweite Album von Panda Bear & Sonic Boom mit dem Titel „A ? of WHEN“ ist ein Volltreffer.

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16. Juli 2026

Panda Bear & Sonic Boom: A ? of WHEN (Domino)

Kann eine mit völlig zeitgemäßen Mitteln produzierte Musik eine tief in der Vergangenheit verwurzelte Stimmung herstellen?
Ja, Panda Bear & Sonic Boom haben das 2022 auf ihrem gefeierten und erfolgreichen Erstling „Reset“ eindrucksvoll vorgeführt, indem sie uns mit Samples und elektronischen Klangerzeugern in die Welt der Doo-Wop-Musik der „unschuldigen“ 50er Jahre und des (nicht allein durch die Beach Boys definierten) Surf-Sounds der frühen 60er entführten.

Dass die Fortsetzung der Kooperation der beiden multiinstrumental begabten Sänger, Songwriter und Klang-Expeditoren Freude auslöst, liegt solchermaßen auf der Hand.

A ? of WHEN“, der neue Longplayer von Panda Bear & Sonic Boom, ist noch facettenreicher angelegt als der ohnedies alles andere als eng definierte Vorgänger.

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Und teilweise wurzelt der hier offenbarte Reichtum an Ideen, Stilen wie auch Stilmitteln in zehn und mehr Jahre zurückliegenden gemeinschaftlichen Arbeiten des Duos: Denn Sonic Boom, unter dem Namen Peter Kember als Mitglied der epochalen neopsychedelischen Space-Rock-Band Spacemen 3 rockhistorisch veraktet, hat einige Solo-Alben des als Teil des Animal Collective bekannten Panda Bear co-produziert, darunter das schon klassische „Tomboy“ von 2011.

Bei den Arbeiten zu dessen Nachfolger „Panda Bear Meets the Grim Reaper“ (2015) äußerte Noah Lennox, wie der Panda im normalen Leben heißt, die Idee, ein Album nur mit Percussion und Stimmen zu fertigen.

Nicht dass nun „A ? of WHEN“ genau diese Platte geworden wäre. Im Gegenteil, sie ist mit allen Arten von Keyboards und Synthies, hin und wieder Gitarren (gespielt von Sunn O)))s Daniel O’Sullivan!), Mariachi-Streichern, Pedal Steel Gitarren und reichlich Vocaloid, einem Generator für künstlich erzeugten Gesang, recht üppig instrumentiert.

Die stimmigen Steel Drums, von Panda Bear höchstpersönlich bedient, sowie die von Mary Lattimore gespielte und hier per Loops in Form zierlicher Rhythmuskaskaden eingearbeitete Harfe sind indes Werkzeuge des seinerzeitigen Vorhabens.

Panda Bear & Sonic Boom: Noah Lennox, Peter Kember (© Austeja Sciavinskaite)

Natürlich begegnen uns auch viele von „Reset“ (und teilweise übrigens auch von „Tomboy“) vertraute Komponenten auf „A ? of WHEN“ wieder: die anrührenden, manchmal regelrecht hymnischen vielstimmigen Gesangsarrangements, der bisweilen regelrecht komische Kontrast zwischen Panda Bears hoher und Sonic Booms tiefer Stimme, das lustige Zischen, Zirpen und Wellenrauschen der Synthesizer.

Musik, die noch nichts von den Beatles, einer British Invasion oder Prog-Rock weiß. Musik, deren sonnig-maritime Anmutung in bemerkenswerter Parallele zu Panda Bears letztem, ebenfalls exzellentem Solo-Album „Sinister Grift“  mit ernsten Inhalten kontrastiert.

Das Gefühl, nicht mehr Steuermann seines* eigenen Lebens zu sein, ist ungefähr die Quintessenz aus den unterschiedlichen, größerenteils mit Humor erzählten oder musikalisch entsprechend arrangierten Szenarien: der unzähmbare Drang, falsche Entscheidungen zu treffen bzw. Handlungen zu setzen, die Abhängigkeit von Zufällen, und nicht zuletzt die Gewissheit, irgendwann die Rechnung für alle Fehler begleichen zu müssen.

Auch der ständige Druck und Stress durch den technologischen Fortschritt (mit der impliziten Frage, was er tatsächlich verbessert hat) sind ein gewichtiges Thema.
Lennox und Kember, die beide in Portugal leben, tragen ihm nicht nur in den Texten, sondern auch in ihrer Vertriebsstrategie Rechnung: „A ? of WHEN“ wird nämlich weder auf Streamingdiensten angeboten noch in den Social Media beworben, sondern ist nur auf klassischen Tonträgern und auf der für unabhängige Künstler bestimmten Promotion-Plattform Bandcamp erhältlich.

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*Weibliche Form mitgemeint

Panda Bear & Sonic Boom: A ? of WHEN (Domino)

Steel Drums, von Panda Bear höchstpersönlich bedient, schaffen Karibik-Flair und eine maritime Anmutung.