Veränderung als Leitthema

Courtney Barnett kehrt nach längerer Pause mit dem Album „Creature Of Habit“ ins Rampenlicht zurück und überrascht mit optimistischer Grundhaltung und melodischer Grandezza.

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17. April 2026

Courtney Barnett: Creature of Habit (Fiction Records)

Seit ihrem großartigen Debütalbum „Sometimes I Sit And Think, And Sometimes I Just Sit” (2014) gilt die 1987 in Sydney geborene Australierin Courtney Barnett mit ihrer originären Mischung aus schneidendem Garagenrock, unaufgeregt-schnoddrigem Gesang und erzählerischen Kleinodien als Role Model des weiblichen Indierock.

Quasi über Nacht hatten sie Publikum und Kritiker ins Herz geschlossen – und bald galt sie dank ihrer Dreifaltigkeit aus famoser Gitarristin, kluger Geschichtenerzählerin und eindrucksvoller Rockerin als „neue Patti Smith“. Der lässige Indie- und Alternative-Rock-Sound war die geeignete Spielfläche für ihr außergewöhnliches Songwriting, das alltägliche Situationen perfekt in Szene setzt und so immer wieder das Besondere im scheinbar Nebensächlichen entdeckt.

Nach weiteren erfolgreichen Soloalben und einer Kollaboration mit Kurt Vile gab Barnett 2022 ihr eigenes, in Melbourne angesiedeltes Label Milk! Records ab und zog nach Los Angeles. Die junge Musikerin, die ein Jahrzehnt lang ihr Herz offen zur Schau gestellt und auf ihren ausgedehnten Konzerttouren alles gegeben hatte, war erschöpft und wollte nur noch Ruhe. Und so wählte sie den Rückzug in die kalifornische Wüste (Joshua Tree-Nationalpark), um dort Kraft und Energie zu tanken und sich von den Limitierungen des Musikbusiness zu befreien. Die schwierige Phase mit Schreibblockaden und Selbstzweifeln überwand die Australierin mit der Musikdokumentation „Anonymous Club“ – ein gelungenes Biopic über ihr bisheriges Leben und Wirken – und der beigefügten Filmmusik „End Of The Day“.

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Ausgetretene Pfade zu verlassen – das ist eine bekannte und ziemlich inflationär verwendete Phrase, aber im Falle von Courtney Barnett und ihres neuen Albums „Creature Of Habit“ trifft sie tatsächlich zu. Mit dieser Platte findet die Rockmusikerin mit Slacker-Attitüde künstlerisch zurück in die Spur und läuft erneut zur Hochform auf.

„Creature Of Habit“ ist auch deswegen gelungen, weil Courtney Barnett mit John Congleton einen renommierten Produzenten zu sich ins Studio holte, der ihr einen glänzenden neuen Sound verpasste. Garagen- und Indie-Rock bilden zwar weiterhin das musikalische Fundament, Congleton reichert es aber mit Dreampop, Folkrock und Americana an.
Barnetts unaufgeregt-schnoddriger Gesang und Congletons akzentuiert-kraftvoller Sound ergänzen sich prächtig und fügen sich zu einer mit optimistischer Grundhaltung und melodischer Grandezza ausgestatteten Song-Sammlung.

Die Australierin, die zu den besten Geschichtenerzählerinnen unter den zeitgenössischen Rockmusikerinnen gehört, erzählt in ihren neuen Songs davon, wie man Gewohnheiten ablegt, weitermacht und sich auf Neues einlässt. Veränderung ist das Leitthema des Albums und vollzieht sich hier im Kleinen, mit Geduld und vorsichtigem Optimismus.

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Auf „Another Beautiful Day“ singt Barnett darüber, dass jeder Tag die Chance auf einen Neuanfang böte, „Sugar Plum“ regt an, sich aufzuraffen und Neues zu versuchen („Ooooh,ooooh, and I learn to breathe again and then when it’s over, it’ll be a new day“). „Site Unseen“, mit Katie Crutchfield (Waxahatchee) als Duettpartnerin, bekundet die Entschlossenheit, Dinge, die angefangen wurden, endlich auch einmal fertig zu machen, und „Mantis“ (das Albumcover ziert das Foto einer Gottesanbeterin) erzählt davon, dass alles nur temporär ist und Veränderung neue Chancen eröffnet.

Mit diesem famosen Album kehrt Courtney Barnett ins Rampenlicht zurück und sichert sich dort wohl nun dauerhaft einen prominenten Platz.

Courtney Barnett: Creature of Habit (Fiction Records)

Veränderung ist das Leitthema des Albums und vollzieht sich hier im Kleinen, mit Geduld und vorsichtigem Optimismus.