Würdiges Altern als Fiesling

Das schottische Duo Arab Strap beklagt auf seinem neuen Album „Half-Told Tales“ den Prozess des Hinfälligwerdens auf amüsant-selbstironische und musikalisch variantenreiche Weise.

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10. September 2026

Aiden Moffat (l.) und Malcolm Middleton bilden das Duo Arab Strap (c) Luke Bovill

Ein die Erektion verlängerndes Sex-Spielzeug ist Namensgeber einer Band, die sich einen Namen damit machte, in ihren provokant-anzüglichen Texten Dinge offen beim Namen zu nennen. Text und Musik waren stets konsequent aufgeteilt – während Aiden Moffat für die expliziten Lyrics verantwortlich war, steuerte Multi-Instrumentalist Malcolm Middleton die passenden Sounds und Beats bei.

Zusammen ergab das eine originäre Mischung aus Energie und Melodiegefühl, Witz und Provokation, Post-Punk und Indie-Rock. Dazu gesellte sich mehr als eine Prise Zynismus und Misanthropie – und im Zusammenspiel mit Aiden Moffats sonorem Sprechgesang verlieh das der Musik jenen Schwerenöter-Charme mit dunkler Grundierung, der zur Trademark des schottischen Duos wurde.

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Seit mittlerweile dreißig Jahren zählen Arab Strap mit Mogwai und Belle And Sebastian zu den bekanntesten Indie-Vertretern Schottlands. Das Duo hat über drei Jahrzehnte – trotz kurzzeitiger Trennung – nicht nur seine Qualität behalten, sondern seinen Indierock-Entwurf Album für Album mit weiteren Facetten angereichert und sich dadurch Frische und Unverwechselbarkeit erhalten.

Arab Strap: Half-Told Tales (Rock Action Records)

Auf ihrem neuen (neunten) Album „Half-Told Tales“ ziehen Moffat & Middleton alle zur Verfügung stehenden musikalischen Register und beweisen vierzehn Songs lang, dass sie auch mit bald sechzig Jahren nicht müde sind, widerborstig bleiben und vor Ideenreichtum nur so sprühen. Das dritte Album seit ihrer Wiedervereinigung im Jahr 2016 beklagt auf amüsant-selbstironische Weise das eigene Altern, macht zunehmende Hinfälligkeit und Krankheit ebenso zum Thema wie überholte Männerbilder, den Wellness-Wahn oder den gesellschaftlichen Rechtsruck.

Wie man die verbleibende Zeit nutzt

So ist etwa „Fighting For You“ eine von einem Buch der Autorin Natasha Brown inspirierte wütende Anklage gegen Nationalismus und gewissenlose Anführer, während „Glamour Magick“ die Auswüchse der Schönheitsindustrie bissig karikiert. „Dollar Park“ und „Under Offer“ sind Songs, die auf die eigene Jugend zurückblicken. Zentrales Thema ist aber die mit dem Altern einhergehende Frage, wie man die verbleibende Zeit noch sinnvoll nutzt. Im Song „Basic Physics“ grummelt Moffat in seinem typischen Sprechgesang „let’s not waste another day“ und in „I Get Noise“ sehnt er sich nach Seelenruhe, während es musikalisch scheppert und lärmt und ein Saxofon für freejazz-artige Interventionen sorgt.

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Musik und Texte konterkarieren einander oft gegenseitig und bilden trotz großer Unterschiedlichkeit eine gelungene Symbiose. Aiden Moffats mit schwerem schottischem Akzent vorgetragener Sprechgesang funktioniert mit Disco-Rhythmen („You You You“) gleichermaßen gut wie mit Metal-Riffs („I Get Noise“), Glam-, Indie-, Folk- oder Punkrock-Sounds.

„Half-Told Tales“ ist jedenfalls, was Instrumentierung, Arrangements und Sounds betrifft, das bisher variantenreichste und vielfältigste Album von Arab Strap. Und der Beweis, dass musikalische Fieslinge in Würde altern können, ohne Biss und Lebensfreude zu verlieren.

Aiden Moffat (l.) und Malcolm Middleton bilden das Duo Arab Strap (c) Luke Bovill

Auf „Half-Told Tales“ ziehen Moffat & Middleton alle zur Verfügung stehenden musikalischen Register und beweisen vierzehn Songs lang, dass sie auch mit bald sechzig Jahren nicht müde sind und widerborstig bleiben.