Drone-Meditation

Bei ihrem unbetitelten zehnten Album kommen Sunn O))) erstmals ohne Gastmusiker aus. Der Dichte ihres Sounds hat das keinen Abbruch getan - eher könnte das abgelegene Studio im Staat Washington eine gewisse Kontemplation hervorgerufen haben.

Von
12. Mai 2026

Sunn O))): Sunn O))) (Sub Pop)

Im Horrorfilm „The Devil’s Candy“ (2015) von Sean Byrne hört die Figur Ray Stimmen, die sie mit ihrem Gitarrenspiel zu übertönen versucht. Am Ende wird Ray mit dieser Gitarre erschlagen. Dazwischen sieht er sich als Diener des Teufels, der diesem durch Morde an Kindern Opfer darbringt.
Der 2017 veröffentlichte Soundtrack zum Film enthält u.a. zwei Songs von Sunn O))): „Decay2 (Nihils’ Maw)“ vom Album „White 2“ (2004) und „Belürol Pusztit“ von der EP „Oracle“ (2007). Dazwischen kam das Album „Black One“ heraus, das noch vor dem von Kritikern besonders gelobten „Monoliths & Dimensions“ (2009) die Metalwelt nachhaltig beeindruckte.
Es ist ein äußerst düsteres Werk und markierte für Sunn O))) quasi den Durchbruch. Für die „Rufe aus dem Grab“ in „Báthory Erzsébet“ soll der an Klaustrophobie leidende Sänger Scott „Malefic“ Conner extra in einen Käfig gesperrt worden sein. Musik als körperliche wie psychische Grenzerfahrung.

For privacy reasons YouTube needs your permission to be loaded. For more details, please see our Datenschutzerklärung.

Sunn O))), benannt nach dem Verstärkerhersteller Sunn, sind im Wesentlichen Stephen O’Malley und Greg Anderson. O’Malley und Anderson gründeten 1998 Southern Lord Records, damit sie die Musik ihrer Bands Thorrs Hammer und Burning Witch vertreiben konnten. Mittlerweile hat das Label auch mit Künstlerinnen und Künstlern wie Anna von Hausswolff oder Thurston Moore zusammengearbeitet.

Seit 2013 spielt O’Malley gemeinsam mit Keiji Heino und Oren Arambachi, der auch immer wieder bei Sunn O))) zu Gast war, in der Band Nazuranai; mit Peter Rehberg war er bis zu dessen Tod 2021 in dem Projekt KTL aktiv.
Verheiratet ist er mit der Komponistin Kali Malone, die in ihren faszinierenden Kompositionen auch nicht gerade überbordende Heiterkeit verströmt.

Mit Anderson ist O’Malley überdies in der Band Teeth of Lions Rule the Divine aktiv. Anderson wiederum spielt – zusammen mit Gentry Densley – noch in den Formationen Ascend und Goatsnake.
Bei so viel Aktivität lässt sich Sunn O))) eher als ein Projekt auffassen und weniger als eine bestimmte Identifikation von Musik und Musikern.

Sunn O))): Stephen O‘Malley, Greg Anderson (@ Charles Peterson/Sub Pop)

Als Sunn O))) inszenieren sich Anderson und O’Malley gern in Mönchskutten, als würde ihrer Musik etwas Sakrales anhaften. Wenn als Begründer des Drone Doom Bands wie Melvins oder Earth genannt werden, so dürften Sunn O))) als bekannteste Vertreter des Genres gelten. Ihre Songs geraten nicht selten zu aus Gitarrenwänden geschichteten Monolithen, denen Kathedralisches innewohnt.

Sieben Jahre haben sich Anderson und O’Malley für ihr neues Album Zeit gelassen. Zum ersten Mal haben Anderson und OMalley, die oft auf die Dienste von Mayhem-Sänger Sänger Atila Csihar zurückgegriffen, mit der japanischen Band Boris, den Norwegern Ulver und mit Scott Walker kooperiert haben, alles allein eingespielt.

Der Klang von „nur“ zwei Gitarren ließe vielleicht eine gewisse Ausdünnung des Sounds vermuten. Das Gegenteil ist der Fall. Das selbstbetitelte, mittlerweile zehnte Album präsentiert sich wie eine Drone-Meditation, was wiederum zum Mönchischem passt, vielleicht jedoch dem Aufnahmeort Bear Creek Studios in Woodinville, Washington, geschuldet ist, der ausreichend Ruhe ermöglichte.

Traditionell schenken Sunn O))) der Covergestaltung ihrer Alben besondere Beachtung. Diesmal fiel die Wahl auf zwei Gemälde von Mark Rothko. Rothko, als Sohn jüdischer Eltern 1903 im heutigen Lettland zur Welt gekommen, litt unter Depressionen und nahm sich 1970 das Leben.
Indessen lässt sich das Cover nicht nur auf schwankende mentale Zustände beziehen, auf die Verhandlungen von Unbewusstem und Realität; es lässt sich auch als Kommentar auf aktuelle bedrohliche politische Lagen interpretieren. In diesem Sinn wäre auch das Album „Sunn O)))“ als kontemplative Zeitdiagnose zu verstehen.

For privacy reasons YouTube needs your permission to be loaded. For more details, please see our Datenschutzerklärung.

 

Sunn O))): Sunn O))) (Sub Pop)

Stücke von Sunn O))) geraten nicht selten zu aus Gitarrenwänden geschichteten Monolithen, denen Kathedralisches innewohnt.